Schellakönig, das Memminger Kartenspiel!
Wer einmal beim Memminger Fischertag dabei war, kennt die Zeile:
„Schmotz, Schmotz, Dreck auf Dreck, Schellakönig wiaschte Sau“.
Doch woher sie eigentlich kommt und warum darin ausgerechnet der Schell-König und das Schell-Ass auftauchen, weiß heute niemand mehr. Genau das brachte uns auf die Idee, ein eigenes Kartenspiel zu entwickeln.
So entstand Schellakönig, ein Kartenspiel, das die klassischen bayerischen Karten mit neuen Regeln verbindet. Alle Karten wurden neu gestaltet und zeigen typische Memminger Motive.
Wer möchte, kann unser „Memminger Bild“ auch für jedes andere Kartenspiel wie z.B. Schafkopf verwenden.
Auf dieser Seite findest Du die vollständigen Regeln sowie Hintergründe zu den Motiven der Karten. Viel Spaß beim Spielen.
Die Regeln
Schellakönig ist ein Kartenspiel für 2 Spieler. Vor jedem Spiel werden die Karten gemischt. Jeder Spieler bekommt 8 Karten, die restlichen Karten werden umgedreht als Nachziehstapel bereit gelegt.
Der jüngste Spieler beginnt und wirft von seinen 8 Karten genau eine offen ab. Anschließend wirft der zweite Spieler eine seiner Karten ab. Diese Karten sind aus dem Spiel und werden am Ende nicht mehr gewertet. Anschließend ziehen beide Spieler eine neue Karte vom Stapel. In der nächsten Runde wird in umgekehrter Reihenfolge abgeworfen.
Es werden solange Karten abgeworfen, bis ein Spieler sich dazu entscheidet einen König abzulegen. Sobald ein König abgelegt wird, werden die abgelegten Karten in dieser Runde zum ersten Stich des Spiels. Es spielt dabei keine Rolle, ob der König als erste oder zweite Karte abgelegt wird. Der erste ausgespielte König sticht in dieser Runde jede andere Karte (Königsstich). Der Königsstich wird umgedreht und neben dem Gewinner des Stichs abgelegt.
Nach dem Königsstich wird jeder Stich für die Wertung gezählt. Ab sofort gilt nun die klassische Reihenfolge der Karten:
Ass > 10 > König > Ober > Unter > 9 > 8 > 7 > 6 (ACHTUNG: je nachdem, welcher König ausgepielt wird, kann sich diese Reihenfolge verändern oder es können Trümpfe hinzukommen, mehr dazu weiter unten)
Farbreihenfolge: Eichel > Laub > Herz > Schellen
Außerdem gilt nach dem Königsstich Farb- und Trumpfzwang. Wird eine Farbe, z.B. Herz gespielt, muss der Gegner diese Farbe bedienen. Wird Trumpf gespielt, muss er Trumpf bedienen. Kann eine Farbe oder Trumpf nicht bedient werden, ist der Stich automatisch verloren. Ausnahme: Kann eine Farbe nicht bedient bedient werden, so darf der Spieler mit Trumpf stechen, er muss aber nicht.
Nach jedem Stich wird von jedem Spieler eine Karte vom Stapel nachgezogen, bis der Stapel aufgebraucht ist.
Der Gewinner eines Stichs spielt die nächste Karte aus.
Je nachdem, welcher König ausgespielt wurde, wird ein unterschiedlicher Modus ausgelöst, nach dessen Regeln das restliche Spiel bestritten wird. Jeder Modus legt entweder bestimmte Trumpfkarten fest, oder verändert die klassische Reihenfolge der Kartenwertung. Sobald der erste König ausgespielt wurde, werden die restlichen 3 Könige im Spiel zu „normalen“ Königen und haben keine Sonderfunktion mehr.
Das Spiel endet, sobald alle Karten gespielt wurden. Es gewinnt der Spieler mit den meisten Stichen. Bei Gleichstand gewinnt der Gewinner, der den ersten König ausgespielt hat.
Schell König:
Beim „Schellakönig“ wird eine Fischertagsrunde gespielt. Jede Karte mit dem Fischertagssymbol, dem Memminger „Bären“, wird zu einer Trumpfkarte. Eine Trumpfkarte sticht jede andere Farbe. Kann eine Farbe nicht bedient werden, kann mit einer Trumpfkarte gestochen werden. Eine Trumpfkarte selbst kann nur mit einer höheren Trumpfkarte gestochen werden. Die Reihenfolge der Kartenwertung bleibt unverändert.
Zu den einzelnen Karten findest du weiter unten die Übersicht „Fischertagskarten“.
Eichel König:
Beim Eichel König wird eine Wahrzeichenrunde gespielt. Jede Karte mit einem Wahrzeichensymbol, dargestellt durch das Memminger Rathaus, wird zu einer Trumpfkarte. Die Reihenfolge der Kartenwertung bleibt unverändert.
Zu den einzelnen Karten findest du weiter unten die Übersicht „Wahrzeichenkarten“
Laub König:
Der Laub König sorgt für eine Bauernkriegsrunde. In dieser Runde gibt es keine Trümpfe, sondern die Reihenfolge der Kartenwertung ist einmal auf den Kopf gestellt: 6 > 7 > 8 > 9 > Unter > Ober > König > 10 > Ass
1525 wurden in Memmingen die 12 Bauernartikel niedergeschrieben. Sie gelten als die erste Deklaration der Menschenrechte in Europa. Eine der wichtigsten Memminger Figuren in dieser Zeit war Sebastian Lotzer, der maßgeblich an den 12 Artikeln beteiligt war. Wie er genau ausgesehen hat, weiß man leider nicht. Das Bild ist unsere Interpretation.
Herz König:
Der Herz-König löst eine Wallensteinrunde aus. In dieser Runde gibt es keine Trümpfe, sondern es verändert sich nur die Reihenfolge der Kartenwertung. Die Zahlenkarten mit den Soldatensymbolen werden jetzt höher gewertet als die Bildkarten: 10 > 9 > 8 > 7 > 6 > Ass > König > Ober > Unter
Alle 4 Jahre finden in Memmingen die Wallensteinspiele statt. Sie zählen zu einer der größten historischen Veranstaltungen in ganz Europa mit mehreren tausend Teilnehmern und hunderten von Pferden. 2030 steht ein Jubiläum an: Dann wird es 400 Jahre her sein, dass der Feldherr in Memmingen sein Quartier aufgeschlagen hatte.
Die Zahlenkarten
Alle Zahlenkarten der Farbe Schell haben als Motiv einen Kürassier. Sie bildeten die schwere Reiterei des 30-jährigen Krieges und waren mit Vorderladerpistolen und Rapieren bewaffnet. Die Fischertagsgruppe der Kürassiere ist nach Graf Pappenheim benannt, einem Befehlshaber im 30-jährigen Krieg. Das Sprichwort „Ich kenne meine Pappenheimer“ geht auf ihn zurück.
Alle Zahlenkarten der Farbe Eichel zeigen einen Musketier. Mit den Feuerwaffen revolutionierte sich die Kriegsführung, selbst wenn damals nur wenige Schuss pro Stunde abgegeben werden konnten. Zum Schutz gegen Kavallerie kämpften die Musketiere nie alleine, sondern immer im Verbund mit den Pikenieren, die mit ihren Langwaffen den Gegner auf Abstand hielten. Die Musketiere gehören zu einer der größten Gruppen im Fischertagsverein.
Alle Zahlenkarten der Farbe Laub zeigen einen Soldaten der Kriegskasse „Waldenfels“. Wallenstein betrachtete sein Heer zum großen Teil als Investition und scheute daher meist die offene Feldschlacht. Die Finanzierung seiner Truppen und vor allem seine Einnahmen aus dem Krieg hatten oberste Priorität. Entsprechend ausgewählte Soldaten sorgten für den Schutz der Kriegskasse.
Alle Zahlenkarten der Farbe Herz zeigen einen Dragoner. 1630 stellten sie die schnelle Eingreiftruppe des Heeres, die ihre Pferde vor allem für den Transport und nicht für den Kampf eingesetzt haben. Die Bewaffnung bestand aus Spieß, Rapier und Muskete. Die „Gallas Dragoner“ des Fischertagsvereins haben während den Wallensteinspielen ihr Lager im Reichshain aufgeschlagen.
Die Fischertagskarten
7 Karten im Spiel tragen dieses Symbol, einen traditionellen Memminger Fischertagsbären. Jedes Jahr Ende Juli „jucken“ die Memminger in den Stadtbach und hoffen darauf, dass eine Forelle in ihrem Bären zappelt.
Eine uralte Tradition, die es in Memmingen bereits seit dem 15. Jahrhundert gibt und das mit Abstand wichtigste Heimatfest ist. Die Fischertagskarten zeigen deshalb alle Figuren unseres schönen Heimatfestes.
Fischerkönig
Das höchste Amt, das ein Memminger erreichen kann: Wer am Fischertag die schwerste Forelle fängt, darf sich ein Jahr lang Fischerkönig nennen und auf dem Birkenthron Platz nehmen. Natürlich darf die schwarz/rot/weiße „Memminger Trikolore“ am Hut nicht fehlen.
Wiaschte Sau
In der Memminger Nationalhymne, dem Schmotzmarsch, hat sie ihren festen Platz: „Schmotz schmotz, Dreck auf Dreck, Schellakönig wiaschte Sau“ kann man am Fischertag an jeder Ecke hören. Was genau der Grund war, dass diese beiden Spielakarten in den Schmotzmarsch aufgenommen wurden, weiß heut niemand mehr.
Mit auf der Karte zu sehen ist der Memminger Mau, der auch zum Beinamen „Maustadt“ geführt hat. Der Sage nach sollen ein paar angetrunkene Ratsherren auf dem Heimweg ein Spiegelbild des Mondes in einem Wasserzuber entdeckt haben und versuchten sofort, ihn dort wieder herauszufischen. Wahrscheinlich haben sie es nicht ganz geschafft, dafür war aber der Memminger Mau geboren.
Stadtbüttel
„Raut ond Bürgermoischter dont bekanntgeba, dass mora d’r Fischertag isch !
Mit Glocke und Uniform wird jedes Jahr der Fischertag vom Stadtbüttel ausgerufen. Beschlüsse des Rates werden werden durch ihn in typischer Memminger Mundart mit einer ordentlichen Portion Humor verkündet. Wer des Memminger Dialektes mächtig ist und der Rede lauschen möchte, muss dies übrigens schon am Fischertagsvorabend tun.
Kübelmädle
Die Aufgabe der Kübelmädle ist es, die gefangenen Forellen vom Fischerbären in die bereitgestellten Kübel zu setzen. Heutzutage gibt es natürlich kein klares Rollenbild mehr und man sieht genauso auch Männer am Kübel wie Frauen im Bach. Trotzdem ist ein Fischertag ohne die vielen Frauen in traditioneller Tracht einfach nicht vorstellbar.
Stadtgarde
Sie nennen sich selbst „Die strammste Truppe der Welt“. Die Memminger Stadtgardisten sind die humorvolle Variante der ursprünglichen Stadtgarde. Sie begleiten den Stadtbüttel während des Fischertags. Wo sie auftreten, bleibt kein Auge trocken.
Schmotzgruppe
„Den Schmotz den braucht ma, der raumt auf“. Seit hunderten von Jahren wird der Stadtbach nach dem Fischertag abgelassen, um ihn anschließend zu reinigen. Das war früher noch viel wichtiger als heutzutage, trotzdem muss auch heute noch vieles aus dem Bach entfernt werden, was dort nicht hingehört. Beim Umzug des Fischerkönigs und seinem Gefolge kann man dann die Ausbeute der Schmotzer bestaunen (nicht immer ganz ernst gemeint).
Trommlerbuben
Mit über 100 Jahren eine der ältesten Gruppen des Fischertagsvereins. Heutzutage sind genauso Mädchen wie Buben im Alter von 8-17 Jahren in diesem Spielmannszug mit dabei. Die Ausbildung an Spielmannspfeife und Trommel beginnt in der Regel schon im Grundschulalter. Neben zahlreichen Auftritten am Fischertag wirken die Trommlerbuben z.b. auch am Memminger Kinderfest mit.
Die Wahrzeichenkarten
Es gibt sieben Memminger Wahrzeichen. Das Rathaus gehört nicht dazu, dient aber zur Kennzeichnung der Wahrzeichenkarten. Konnte ein Handwerksgeselle im Mittelalter alle Wahrzeichen aufzählen, so galt dies als Beweis, dass er seine Lehrzeit auch wirklich in Memmingen verbracht hat. Allerdings waren die Wahrzeichen damals wahrscheinlich andere als heutzutage, da viele Wahrzeichen erst in der Renaissance entstanden sind. Leider sind auch von den heutigen Memminger Wahrzeichen nicht mehr alle erhalten.
Die heilige Hildegard
Eigentlich wollte Bernhard Strigel ein Porträt von König Konradin von Sizilien auf den Martinsturm malen. Die Memminger Bürger entpuppten sich jedoch allesamt als Kunstbanausen und meinten, in dem Bild die heilige Hildegard erkennen zu können, die Gattin Karls des Großen, die damals als heilig verehrt wurde.
Mit einem guten Auge kann sich jeder Kunstkenner darüber eine eigene Meinung bilden. Blickt man vom Markplatz aus Richtung Martinsturm, kann man das Bild unterhalb der Uhr erkennen.
Die Memminger Wasserkunst
Für damalige Verhältnisse war die Wasserkunst ein Meisterwerk: Mit einer raffinierten Konstruktion wurde die Memminger Ach über den Stadtgraben, durch die Stadtmauer hindurch in die Stadt hineingeleitet. Den Abschluss bildete ein Turm zur Befestigung. Durch den Bau der Eisenbahn und dem Abbruch der Stadtmauer wurde irgendwann auch die Wasserkunst überflüssig und 1862 schließlich abgebrochen. Lediglich eine Wasserfalle an der Ecke Bahnhofstraße/Steinbogenstraße erinnert noch an das Wahrzeichen.
Der Gaul in der Wiege
Einer Sage nach erwachte eine scheintote Frau wieder zu Leben und kehrte zurück zu ihrem Mann. Dieser glaubte jedoch nicht an ihre Auferstehung, sondern sagte: „Eher liegt mein Gaul in der Wiege, als dass du wirklich am Leben bist.“ Die beiden sahen nach, und der Gaul lag tatsächlich in der Wiege. Nun war der Mann überzeugt, nahm seine Frau wieder auf und verbrachte noch viele glückliche Jahre mit ihr. Zur Erinnerung, ließ er ein Bild vom Gaul in der Wiege an seinem Haus anbringen. Es heißt, das Bild dürfe niemals verblassen, da ansonsten der Geist seiner Frau wieder in dem Haus umgehen würde. Bis heute ist das gelungen: Das Bild befindet sich immer noch an einem Haus in der Kalchstraße.
Das Siebendächerhaus
Das wahrscheinlich bekannteste Memminger Gebäude wurde 1601 erbaut und diente den Gerbern dazu, ihre Felle zu trocknen. Im zweiten Weltkrieg wurde das Haus stark beschädigt. Durch die stabile Bauweise und sofortiger Rettungsmaßnahmen der Memminger Bürger konnte es jedoch zum Glück gerettet werden. Nach dem Ende des Gerberhandwerks wurde das Haus als Gasthaus und Apotheke genutzt. Heute ist es der Sitz der Siebendächer-Baugenossenschaft.
Die blaue Saul
Wie die Säule am Marktplatz zu ihrer blauen Farbe kam, ist nicht überliefert. Wie so oft gibt es aber auch hier eine kleine Geschichte dazu: Ein sehr angetrunkener Ratsherr befand sich eines nachts auf dem Heimweg. Seine Begleitung hörte am Marktplatz den nahenden Nachtwächter und lehnte den Ratsherren an eine Säule, bis er vorüberzog. Sein blauer Zustand soll so auch die Säule blau eingefärbt haben. Und das ist sie bis heute.
Der grüne Teufel von St. Martin
Der grüne Teufel war ein Bestandteil eines Freskos in der Martinskirche. Das vollständige Bild zeigte die Offenbarung des Johannes, der Teufel saß dabei rechts unten. Wieso der Künstler sich ausgerechnet für das doch eher ungewöhnliche Grün entschieden hat, bleibt wohl für immer ein Rätsel. Leider gibt es den Teufel heute nicht mehr. Im zweiten Weltkrieg wurde das Fresko mit feuerfester Farbe überstrichen, wodurch auch der Teufel verloren ging.
Der Basilisk
Er soll sein Unwesen in einem Haus in der hinteren Gerbergasse getrieben haben, wo anscheinend Leute unter mysteriösen Umständen zu Tode kamen. Eine moderne Erklärung der Sage ist, dass aus den Abortgruben wohl so intensive Gase aufgestiegen sind, dass die armen Besucher ohnmächtig wurden und hineinfielen.
Im Stadtmuseum kann man heute noch einen Basilisk in steinerner Form besichtigen, der wahrscheinlich vom Gewölbe des schon im 16. Jahrhundert abgebrochenen Schottenklosters stammt.